15.04.2026
Betrug: Geschätzt 20 Prozent aller Fischerzeugnisse betroffen
Betrug mit Fisch in verschiedenster Form soll weltweit derart verbreitet sein, dass die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in einer neuen Studie den Anteil auf 20 Prozent des gesamten Marktes schätzt. Die Publikation "Food fraud in the fisheries and aquaculture sector" wurde gemeinsam von der Fischerei- und Aquakultur-Abteilung der FAO und dem FAO/IAEA Zentrum für nukleare Verfahren in der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft erstellt. Die Autoren erklären, dass trotz tausender Studien zu Betrug mit Fisch, die dokumentierten, wie weit verbreitet das Problem sei, keine grundlegende Arbeit existiere, um seine Prävalenz einzuschätzen. Einige Studien gehen davon aus, dass in Restaurants bis zu 30 Prozent der Seafood-Produkte falsch gekennzeichnet sein könnten – vom Ceviche-Stand in Lateinamerika und Seafood-Restaurants in China bis zu Thunfisch-Konserven in der Europäischen Union. Während es sich bei bis zu einem Drittel der in den USA verkauften Fisch- und Meeresfrüchteprodukte nicht um das handeln könnte, was auf der Verpackung angegeben ist, würde nicht einmal ein Prozent der Produkte getestet.
Je nach Betrugsart könne die Falschdeklaration Gefahren für Biodiversität, menschliche Gesundheit oder das Ökosystem beinhalten. Zu den wichtigsten Formen des "fish frauds" zählten Verfälschungen (Farbe, um Thunfisch frischer aussehen zu lassen), Fälschungen (Imitation von Shrimps auf Basis von Stärkeverbindungen), Nachahmungen (Surimi, das aussieht wie Krebsfleisch), Umleitungen (legale Produkte werden nicht in den vorgesehenen Märkten verkauft), falsche Kennzeichnung (wie nicht korrekte Angaben zur Nachhaltigkeit), Überfischung, Artenunterschiebung (Tilapia wird als Red Snapper verkauft), Manipulation (bezüglich Ursprung und MHD) sowie Diebstahl. Motivation für den Fischbetrug seien vor allem ökonomische Motive. Atlantischer Lachs, vermarktet als wildgefangener Pazifischer Lachs, könne ein Gewinnplus von bis zu 10,- USD/kg einbringen. Gezüchteter Wolfsbarsch, vermarktet als "Ursprung Italien", könne zwei- bis dreimal so teuer verkauft werden wie Sea bream aus Griechenland oder der Türkei, ganz zu schweigen davon, wenn er als Wildfang deklariert wird. Auch das Zufügen von Wasser, um Gewicht und Preis zu erhöhen, sei weit verbreitet.
Um dem Fisch-Betrug Einhalt zu bieten, spricht sich die FAO für harmonisierte Kennzeichnungsvorschriften und bessere Systeme der Rückverfolgbarkeit aus. Wirksam in dieser Hinsicht seien moderne Techniken wie enzymgebundene Immunosorbent-Assays, die Analyse stabiler Isotopen sowie Kernspinresonanz, obgleich derartige Verfahren nicht überall zugänglich seien. Auch tragbare Röntgenfluoreszenzgeräte und Modelle maschinellen Lernens seien Innovationen, die die Kontrolle unterstützen können. Unterschiede bezüglich der Fettsäure-Zusammensetzung bei Wildfisch und Zuchtfisch könnten Betrug aufdecken, während die Kohlenstoff- und Stickstoffverhältnisse Auskunft über die geographische Herkunft die ökonomisch wichtigsten Fischarten geben können. Eine Untersuchung unter Verwendung von DNA-Barcoding habe ergeben, dass der Umfang von Falschetikettierung in Los Angeles (US-Bundesstaat Kalifornien) in Verarbeitungsbetrieben gering sei, "moderat" im Großhandel und besonders verbreitet in Sushi-Restaurants. Im Lebensmitteleinzelhandel sei die Falschetikettierung bei Thunfisch und Lachs selten, bei Red Snapper und Heilbutt jedoch "üblich".
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