12.05.2026
Münster: Stolperstein für einen Fischhändler im Widerstand
Am 12. Mai 1944, also heute vor 82 Jahren, starb der Münsteraner Fischhändler Heinrich Harms im nationalsozialistischen Konzentrationslager Börgermoor im Emsland. Schon im Dezember 2025 wurde vor dem Haus Aegidiistraße 51 in der nordrhein-westfälischen Universitätsstadt ein so genannter Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt. Die kleine Messingtafel im Gehweg soll Passantinnen und Passanten zum Innehalten anregen und des Gedenken an die Opfer des NS-Terrors im Alltag sichtbar machen. Heinrich Harms, geboren im Jahre 1900 im ostfriesischen Extrum nahe der Stadt Aurich, hatte in dem Haus seit 1938 eine Fischhandlung unter dem Namen "Nordseehalle" betrieben. Ein Foto zeigt ihn hinter einer unter anderem mit Räucherfisch gefüllten Theke und vor einer Wand, an der sich hunderte von Fischkonserven stapeln. Heinrich Harms hatte sich bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 aktiv gegen den aufkommenden Nationalsozialismus gestellt.
Als Mitglied einer Arbeitergruppe der KPD, dem Rotfrontkämpferbund (RFB) Münster, warnte er schon vor 1933 vor den Gefahren des Faschismus. Noch nach der Machtübernahme verteilten die RFB-Mitglieder Flugblätter und malten in nächtlichen Aktionen Parolen unter anderem unter Eisenbahnbrücken gegen das NS-Regime. Damit wollten sie die Bevölkerung aufklären und sichtbare Zeichen gegen die NS-Herrschaft setzen. Heinrich Harms setzte sich auch für Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens ein und bewies damit große persönliche Zivilcourage. Im Jahre 1943 geriet er ins Visier der Münsteraner Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und wurde verhaftet, weil er verbotenerweise eine ausländische Radiostation, einen sogenannten "Feindsender", gehört haben soll. Wegen dieses "Rundfunkverbrechens" wurde er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" angeklagt und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Lager I Börgermoor, einem der sogenannten Emslandlager, starb er am 12. Mai 1944, gerade 43 Jahre alt, an den Folgen der mörderischen Haftbedingungen. Der am 9. Dezember 2025 gesetzte Stolperstein soll der 300. in Münster (Stand: Dezember 2025) seit dem Jahre 2004 verlegte Stein sein.
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