11.05.2026

Thunfisch: Branche warnt vor Freihandelsabkommen mit Indonesien

Vertreter von Europêche, Verband für rund 45.000 Fischereischiffe in der Europäischen Union, warnen vor den Folgen eines geplanten Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indonesien, dem weltgrößten Produzenten von Thunfisch. Ein Entwurf für das Abkommen sieht die Liberalisierung für indonesische Thunfisch-Erzeugnisse vor, darunter die Aufhebung von Zöllen, insbesondere für Thunfischfilet. Das lässt die EU-Fischerei massive Folgen für Importe nach Europa befürchten. Derzeit exportiere Indonesien jährlich rund 200.000 t tropischen Thunfisch. Das neue Abkommen würde unter anderem die zollfreie Einfuhr von 800 t Thunfisch-Konserven und 5.000 t Thunfisch-Loins vorsehen, außerdem die vollständige Abschaffung von Zöllen auf Thunfischfilets (derzeit 18 %) und ganzen Thun (derzeit 24 %). Während die Konserven-Quote als nicht relevant eingestuft werde, sehen die Verbände Europêche, ANABAC und OPAGAC Risiken angesichts einer unbegrenzten zollfreien Einfuhr hochwertiger, für den direkten menschlichen Verzehr geeigneter Filets.

Problematisch sei zum einen die sehr große und extrem fragmentierte indonesische Fangflotte, die geschätzt mehrere hunderttausend Boote zähle und damit kaum Übersichtlichkeit und Transparenz biete. Es gebe kein umfassendes Flottenregister, die Überschreitung von Quoten, Transshipment auf See, einen Mangel an wissenschaftlichen Beobachtern und dokumentierte Gefahren von IUU-Fischerei und Zwangsarbeit. Die "Working in Fishing Convention" (C188) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sei bei dem Abkommen nicht berücksichtigt. Auch unter Qualitätsaspekten sei das Freihandelsabkommen problematisch. So habe die traditionell auf Konserven fokussierte europäische Thunfisch-Fischerei in jüngster Zeit massiv in Frostertechnologie an Bord für -18 ºC investiert und könne damit hochwertige Thunfischfilets anbieten – sowohl TK-Produkte als auch solche für das Refreshed-Segment. Indonesien besitze nach Wissen von Europêche keine Schiffe, die auf See Fänge auf -18 ºC frosten könnten. Stattdessen würden die Fische dort mit kleinen Booten gefangen und erst nach Anlandung in Fabriken eingefroren, die von der Indonesischen Gesundheitsbehörde zertifiziert seien.

Entsprechend fordern die europäischen Verbände zum einen eine Begrenzung des zollfreien Thunfischfilet-Kontingents auf maximal 5.000 t sowie eine Stärkung der Traceability und anderer Kontrollen für den Thunfisch aus Indonesien.
Thunfisch: Branche warnt vor Freihandelsabkommen mit Indonesien
Foto/Grafik: MSC
Vertreter von Europêche warnen vor den Folgen eines geplanten Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indonesien, dem weltgrößten Produzenten von Thunfisch. Foto: MSC-zertifiziertes Thunfischfilet aus Indonesien.
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